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Die Vermutung, dass japanische Handys irgendwann nach Europa kommen müßten, habe ich ja schon länger. Inzwischen mehren sich immer mehr Anzeichen, dass es auch bald soweit sein wird. Denn nach Jahren des Booms verkaufen die japanischen Handyhersteller immer weniger Geräte in Japan und stehen unter massivem Druck, ihre hohen Entwicklungskosten wieder einzufahren. Allein von 2008 zu 2009 ist der Absatz um 30% von 50 Millionen Handys pro Jahr auf 36 Millionen zusammengebrochen.

Das ist vor allem auf die fast völlig eingestellten Subventionen der Mobilfunkbetreiber zurückzuführen. War es früher üblich, für 0 bis 1 Euro ein Handy der neuesten Generation mit einem Vertrag zu bekommen, müssen seit letztem Jahr mindestens 200 Euro für ein Handy berappt werden. Den japanischen Mobilfunkbetreibern NTT DoCoMo, au und Softbank war es offensichtlich zu viel, dass etliche Kunden  Laufzeit-Verträge nach einem halben Jahr für eine witzige Gebühr von umgerechnet 30 Euro auflösten, das Handy behielten und sich einfach mit einem neuen Vertrag ein neues Gerät holten.
Natürlich stellt sich die Frage, warum Hersteller wie Hitachi, NEC, Panasonic, Sony (Japan) oder dem Marktführer Sharp nicht schon länger Geräte im Ausland verkaufen. Das mag einerseits an der mangelnden Erfahrung mit dem für japanische Verhältnisse mittelalterlichem GSM oder GPRS-Standard liegen. Andererseits kooperieren Handy-Hersteller und Mobilfunkbetreiber äußerst intensiv bei der Entwicklung neuer Übertragungsstandards (die bisweilen in Pilotprojekten schon 100 Mbit erreicht haben), der Integration wie Flash Lite oder Java oder der standardisierten Nutzerführung auf den Endgeräten. Daraus entstehen den Endgerätenherstellern Verpflichtungen von teilweise einem halben Jahr, Spezifikationen ihrer Handys nicht zu veröffentlichen. In der Folge haben ein drittel aller Hersteller einen exklusiven Vertrieb über nur einen Mobilfunkprovider. Damit sollte allerdings nun Schluß sein. Denn ein guter Absatz von alter Technik in Europa ist inzwischen allemal lukrativer als Neuentwicklungen und Exklusivvertrieb in Japan.

Freuen wir uns also auf die schicken japanischen Modelle mit DualCore-Prozessoren, 600×800 Pixeln, Flash Lite ab 2.1, 800MB Flash-Speicher usw. :-)

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